In der Vorbereitung auf die Customer Insights & Journey Management Konferenz am 16. und 17. September 2026 haben wir in den vergangenen Monaten verschiedene Teile derselben Herausforderung genauer betrachtet. Beim Feedback-First-Problem ging es um die Grenzen einer zu stark auf Feedback-Erfassung und Reporting ausgerichteten VoC-Logik. Im Juni haben wir unter Journey Intelligence diskutiert, wie Kundensignale im Kontext konkreter Situationen so zusammengeführt werden können, dass relevante Probleme erkennbar und priorisierbar werden. Zuletzt haben wir mit der Journey Accountability die organisatorische Seite konkretisiert: Wer übernimmt Verantwortung und welche Entscheidungsrechte und Ressourcen braucht es dafür?
Die grundsätzliche Forderung nach „Insight-to-Action" ist damit für uns nicht mehr der neue Punkt. Auch das XM Institute beschreibt weiterhin eine deutliche Lücke zwischen Zuhören und Handeln: 72 Prozent der untersuchten Organisationen hören ihren Kund:innen regelmäßiger zu, während nur 33 Prozent systematisch auf Basis des Feedbacks handeln. Für die weitere Diskussion interessiert uns deshalb genauer, was innerhalb dieses Übergangs passiert: Wie erkennen wir belastbar, wo wir ansetzen sollten? Wie entstehen aus einem relevanten CX Insight Handlungsoptionen? Nach welcher Logik werden diese bewertet und priorisiert? Wer entscheidet? Und wie stellen wir anschließend fest, ob eine Intervention tatsächlich etwas verbessert?
Journey Intelligence hatten wir im Juni als übergreifenden Rahmen für diese Verbindung eingeführt. Im aktuellen Schritt wollen wir vor allem die Entscheidungsdimension darin genauer diskutieren. Joana de Quintanilha spricht bei Forrester inzwischen von „Journeys as a Decision System": Journey-Kontext soll nicht erst nachgelagert analysiert werden, sondern dort einfließen, wo Prioritäten, Ressourcen und Delivery entschieden werden. Parallel erweitert sich auch die technologische Diskussion von Journey Analytics in Richtung Priorisierung und Orchestrierung. Damit stellt sich konkreter die Frage nach Decision Support und Decisioning: Wo unterstützen Systeme Entscheidungen, und wo beginnen sie, Handlungsoptionen selbst zu priorisieren und auszusteuern?
Für unsere Diskussion lässt sich der Zusammenhang vereinfacht so darstellen:
Signal → Kontext → CX Insight → Priorisierung → Handlungsoption → Entscheidung → Aktion → Wirkung
Das ist kein allgemeingültiges Journey-Intelligence-Modell, sondern eine Arbeitsstruktur für die Diskussion. Die vier Runden der Konferenz betrachten unterschiedliche Teile dieses Zusammenhangs. Sie führen bewusst von der bekannten Wirksamkeitsfrage über Journey Intelligence und Measurement bis zur organisatorischen Accountability.
Customer Insights & Journey Management Konferenz 2026: Vier Fragenblöcke zur Journey-Steuerung
Die Customer Insights & Journey Management Konferenz führt über zwei Tage von Customer Insights und CX Insights zur längerfristigen Journey-Steuerung. Die Beiträge betrachten dabei unterschiedliche Ausschnitte: Customer Value, bessere Insight-Generierung, KI im Feedback Management, Journey Intelligence, Journey Measurement sowie die organisatorische Verankerung von Journey Management. Die Diskussionsrunden sollen diese Beiträge nicht noch einmal zusammenfassen. Wir wollen sie vielmehr nutzen, um an den Stellen weiterzuarbeiten, an denen aus unserer Sicht noch keine eindeutigen Antworten existieren.
Diskussion 1: Wie kommen wir aus der Nicht-Wirksamkeitsfalle?
Die erste Runde ist bewusst als Rundumschlag angelegt. Die Insight-to-Action-Lücke ist nicht neu. Viele Organisationen haben technologische und methodische Grundlagen geschaffen, um Kundenfeedback systematisch zu erfassen, auszuwerten und mit weiteren Daten zu verbinden. Trotzdem bleibt die Übersetzung in tatsächliche Veränderung schwierig. Interessant ist deshalb weniger die erneute Feststellung, dass Insights „actionable" werden müssen. Wir wollen genauer diskutieren, was Actionability in ausgereiften Insights-Programmen konkret voraussetzt.
Eine aktuelle XM-Institute-Fallstudie zu ServiceNow liefert dafür einen möglichen Ansatzpunkt. Das Unternehmen arbeitet mit sogenannten Action Workflows. Feedback wird automatisiert an zuständige Teams geroutet, die jeweiligen Verantwortlichen erhalten Handlungshinweise und bearbeiten die Aufgaben in ihren bestehenden Arbeitsumgebungen. Laut Fallstudie waren 31 solcher Workflows mit fast 9.500 Folgeaktionen und mehr als 1.700 unterschiedlichen Action Ownern im Einsatz. Das ist ein Unternehmensbeispiel und kein allgemeiner Wirksamkeitsnachweis. Es zeigt aber konkret, dass Actionability nicht allein eine Eigenschaft eines guten Insights sein muss. Sie kann durch die Verbindung von Insight, Workflow, Entscheidung und Verantwortung entstehen.
Dazu wollen wir diskutieren:
- Warum schaffen es Customer-Insights- und Journey-Programme trotz besserer Daten und Tools oft nicht, spürbare Veränderungen auszulösen?
- Wo bricht der Weg von der Erkenntnis zur Veränderung in der Praxis am häufigsten ab: bei Priorisierung, Entscheidung, Verantwortung oder Umsetzung?
- Reicht es heute noch, gute Insights bereitzustellen, oder müssen Insights-Teams stärker dazu beitragen, Entscheidungen vorzubereiten und auszulösen?
- Was unterscheidet aus eurer Sicht ein reifes Insights-Programm von einem Programm, das vor allem Daten, Dashboards und Empfehlungen produziert?
Wir erwarten hier keine allgemeingültige Reifegradformel. Uns interessiert, wie weit der Auftrag fortgeschrittener Insights-Programme heute reicht. Bleibt die Funktion bei Analyse und Kommunikation? Oder gehört es zunehmend zu ihrem Auftrag, unterschiedliche Erkenntnisse so aufzubereiten, dass Probleme belastbarer priorisiert und Entscheidungen besser vorbereitet werden können?
Diskussion 2: Journey Intelligence: von Insights zu Entscheidungen
Die zweite Runde bildet den inhaltlichen Schwerpunkt der Konferenz. Im Juni haben wir Journey Intelligence als Fähigkeit beschrieben, unterschiedliche Kundensignale im Kontext einer konkreten Situation zu verbinden, mögliche Ursachen und Folgen zu verstehen und relevante Probleme zu priorisieren. Jetzt wollen wir genauer auf die daran anschließende Entscheidung schauen. Denn auch ein belastbarer CX Insight beantwortet noch nicht, welche Intervention sinnvoll ist und nach welcher Logik zwischen möglichen Handlungsoptionen entschieden werden sollte.
Genau deshalb ist Forresters aktueller Ansatz der Journey Decision Systems für unsere Diskussion interessant. De Quintanilha argumentiert nicht für weitere Journey-Artefakte, sondern dafür, Journey-Kontext in Priorisierung, Ressourcenallokation und Delivery-Governance einzubringen. Auch auf der technologischen Seite erweitern sich Journey-Analytics- und Orchestration-Ansätze um Priorisierung und Outcome Management. Damit kommen organisatorische und technologische Entwicklung an derselben Frage zusammen: Wie wird aus einem erkannten Journey-Problem eine konkrete Entscheidung?
Für uns steckt darin auch eine Konkretisierung des Begriffs „actionable Insight". Eine Erkenntnis wird nicht allein dadurch handlungsfähig, dass darunter eine Empfehlung steht. Für eine belastbare Entscheidung brauchen wir mindestens den Kontext der Situation, ihre Relevanz, ein angestrebtes Customer- und Business-Outcome, mögliche Handlungsoptionen und eine Logik, nach der diese Optionen bewertet werden. Je nach Anwendungsfall kann Technologie diese Entscheidung unterstützen, vorbereiten oder in stärker automatisierten Szenarien auch operativ aussteuern.
Dazu wollen wir diskutieren:
- Wann wird aus einem Customer Insight eigentlich ein „actionable Insight"? Welche zusätzlichen Informationen braucht es, damit daraus eine konkrete Entscheidung werden kann?
- Was muss Journey Intelligence zusammenführen, um Entscheidungen zu unterstützen: Kundensignale, Journey-Kontext, Ursachen, Business-Ziele, Handlungsoptionen, oder noch etwas anderes?
- Wo endet Decision Support und wo beginnt Decisioning: Soll Journey Intelligence Handlungsbedarf nur sichtbar machen, Maßnahmen empfehlen oder Entscheidungen zunehmend selbst aussteuern?
- Wie weit müssen wir Journey Management in Richtung Decisioning weiterentwickeln, damit aus Beobachtung tatsächlich operative Journey-Steuerung wird?
Die Diskussion soll dabei über die bekannte Gegenüberstellung „Technologie oder Organisation?" hinausgehen und sich auf die konkrete Entscheidungsarchitektur konzentrieren: Welche Entscheidung soll unterstützt werden? Welche Informationen und Zielgrößen benötigt sie? Wer besitzt das Entscheidungsrecht? Und an welchen Stellen kann oder soll ein System selbst priorisieren und aussteuern? Genau an dieser Stelle sehen wir aktuell den zusätzlichen Diskussionsbedarf rund um Journey Intelligence.
Diskussion 3: Was müssen wir messen und vergleichen, um Journeys zu optimieren?
Wer Journeys verbessern will, braucht eine Mess- und Vergleichslogik, die über einzelne Scores hinausgeht. Dabei geht es nicht nur darum, ob eine Experience positiv oder negativ bewertet wird. Wir müssen unterscheiden können, wo ein Problem entsteht, für welche Kundengruppen oder Situationen es relevant ist, welche Faktoren damit zusammenhängen und ob eine nachfolgende Intervention tatsächlich eine Verbesserung ausgelöst hat.
Auch deshalb haben wir uns zuletzt genauer mit unterschiedlichen Ansätzen zur Priorisierung von CX Insights beschäftigt. Direkte Importance Ratings, relative Priorisierung über MaxDiff beziehungsweise Best-Worst Scaling, Treiberanalysen oder die Betrachtung asymmetrischer Zusammenhänge beantworten unterschiedliche Fragen. Für die Journey-Optimierung entsteht daraus weniger die Suche nach einer einzelnen richtigen Methode als die Frage, wie unterschiedliche Mess- und Analyseperspektiven zu einer belastbareren Beurteilung des Optimierungsbedarfs beitragen können.
Forrester unterscheidet für Journey Measurement zwischen Success Metrics und Signal Metrics. Success Metrics beschreiben, ob das gewünschte Journey-Ergebnis erreicht wurde. Signal Metrics sollen innerhalb der Journey früh sichtbar machen, wenn dieses Ergebnis gefährdet ist. In der aktuellen Diskussion 2026 führt Forrester diesen Ansatz weiter und argumentiert dafür, Journey-Messung an Customer- und Business-Value sowie an konkreten Journey-Zielen auszurichten, statt primär mit End-of-Journey-Surveys und Standard-Scores zu arbeiten.
Wie wichtig diese Differenzierung ist, zeigt Forresters aktuelle Journey-Benchmarking-Serie. Bei untersuchten Banking Journeys lag der NPS bei Kund:innen, die ihr Ziel erreicht hatten und sicher waren, dass das Ergebnis funktioniert, bei 31. Hatten sie ihr Ziel formal erreicht, waren aber unsicher, ob es tatsächlich funktioniert hatte, lag er bei -27. Kund:innen, die ihr Ziel abgebrochen oder nicht erreicht hatten, kamen auf -29. Das Beispiel zeigt, dass ein technisch abgeschlossener Prozess und ein aus Kundensicht erfolgreiches Journey-Ergebnis nicht dasselbe sind.
Dazu wollen wir diskutieren:
- Welche Größen müssen wir entlang einer Journey überhaupt messen, damit wir erkennen können, wo eine Optimierung notwendig ist?
- Was müssen wir miteinander vergleichen, damit Messwerte aussagefähig werden: Journey-Schritte, Segmente, Zeiträume, Varianten oder Kundengruppen?
- Wie bringen wir Experience-, Verhaltens-, Prozess- und Business-Kennzahlen zusammen, ohne aus Korrelation vorschnell Kausalität abzuleiten?
- Wann können wir methodisch belastbar sagen: Diese Veränderung hat die Journey tatsächlich verbessert?
Uns interessiert damit weniger ein weiteres KPI-Set. Entscheidend ist die Vergleichs- und Erklärungslogik hinter der Optimierung. Welche Baseline brauchen wir? Welche Segmente, Kohorten oder Journey-Situationen müssen wir vergleichen? Welche Signalmetriken helfen, relevante Veränderungen früh zu erkennen? Und wann benötigen wir Tests oder andere methodische Designs, bevor wir einer Intervention eine beobachtete Verbesserung zuschreiben?
Diskussion 4: Wie bekommen wir Journey Accountability aus dem Journey Team heraus?
Die letzte Runde betrachtet die organisatorische Seite. Auch belastbare CX Insights, eine nachvollziehbare Priorisierung und gute Messung verändern noch keine Journey, wenn unklar bleibt, wer Verantwortung übernimmt und wer die notwendigen Entscheidungen und Ressourcen mobilisieren kann. Mit dem Beitrag „Von Journey Ownership zur echten Accountability" haben wir diese Frage zuletzt konkreter betrachtet.
Journey Ownership ist dabei ein möglicher Mechanismus, um eine ansonsten fragmentierte Verantwortung zu bündeln. Ein Journey Owner allein schafft jedoch noch keine Accountability. Relevant wird die Verbindung aus Ergebnisverantwortung, Entscheidungsrechten, Informationszugang, Ressourcen und Governance. Gleichzeitig können und sollen nicht alle fachlichen Mandate in einer Journey-Rolle zusammenlaufen. Die eigentliche Operating-Model-Frage lautet deshalb, wie funktionale und Journey-Verantwortung miteinander verbunden werden können.
Auch McKinsey beschreibt Journey Ownership in diesem Zusammenhang nicht isoliert. Journey Owner benötigen neben klarer Verantwortung auch Decision Authority und Ressourcen. Gleichzeitig hebt die Analyse cross-funktionale Entscheidungsprozesse und die Einbettung von CX in bestehende Management- und Delivery-Strukturen hervor. Journey Accountability wird damit weniger zur Frage eines bestimmten Organigramms als zur Frage, wie Verantwortung operativ ausgeübt werden kann.
Dazu wollen wir diskutieren:
- Was braucht ein Fachbereich konkret, damit er Verantwortung für einen Teil der Customer Journey übernehmen kann, jenseits eines formalen Journey Owners?
- Welche Informationen und Tool-Zugriffe müssen dezentral verfügbar sein, damit Teams Journey-Probleme selbst erkennen, bewerten und bearbeiten können?
- Welche Fähigkeiten und Entscheidungsrechte fehlen heute häufig, wenn Journey Accountability außerhalb eines zentralen CX- oder Journey-Teams funktionieren soll?
- Wie schaffen wir ein Operating Model, in dem funktionale Verantwortung und Journey-Verantwortung zusammenarbeiten, ohne eine zusätzliche Parallelorganisation aufzubauen?
Die Diskussion soll dabei über die Forderung nach mehr Ownership hinausgehen. Wir wollen genauer betrachten, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit Journey Accountability im operativen Alltag funktioniert und nicht auf ein zentrales CX- oder Journey-Team beschränkt bleibt.
Vier Perspektiven auf dieselbe Steuerungsfrage
Die vier Runden betrachten unterschiedliche Voraussetzungen für eine wirksamere Journey-Steuerung. Die erste fragt nach der weiterhin bestehenden Lücke zwischen Insight und Veränderung. Die zweite nimmt die Entscheidungslogik zwischen erkanntem Handlungsbedarf und Intervention genauer in den Blick. Die dritte beschäftigt sich mit der Mess- und Vergleichslogik, die Priorisierung und Wirkungsbewertung belastbarer machen soll. Die vierte fragt nach der organisatorischen Verantwortung für die Umsetzung.
Damit wollen wir bei der Customer Insights & Journey Management Konferenz am 16. und 17. September nicht ein fertiges Journey-Intelligence-Modell präsentieren. Die Vorträge liefern unterschiedliche fachliche und praktische Perspektiven. Die Diskussionsrunden sollen diese zusammenbringen und insbesondere dort weiterarbeiten, wo die Antworten noch offen sind.
Für uns bleibt dabei eine übergreifende Frage: Was müssen wir zwischen einem Kundensignal und einer wirksamen Journey-Verbesserung organisatorisch, methodisch und technisch beherrschen? Genau darüber wollen wir an beiden Konferenztagen gemeinsam weiterdiskutieren.
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