
Letzte Woche haben wir in dem Beitrag "Der Touchpoint-Stresstest: Warum KI nicht optimiert, sondern prüft" die zentralen Beobachtungen aus dem Digital-Experience-Track unserer Shift/CX Konferenzwoche zusammengetragen. Die zentrale Aussage und Hypothese: Digitale Kundenerfahrung entsteht 2026 nicht mehr nur auf der eigenen Website.
In der Konsequenz von Agenten auf Unternehmens- und Kundenseite sehen wir für die weitere Diskussion ein Überdenken der Digital-Experience-Ansätze. Denn digitale Kundenerfahrungen verteilen sich neu auf drei Arenen: vor, am und zwischen den eigenen Touchpoints. Die "KI" (auch wenn es sie so nicht gibt) wirkt in jeder dieser Arenen anders, und Unternehmen müssen für jede Arena eine eigene Antwort haben. Aus dieser Diskussion haben sich für uns drei Fragen ergeben, um die das Programm der Digital Marketing & Experience Konferenz am 20. Mai 2026 entstanden ist.
Frage 1: Reicht der Fokus auf eine stringente digitale User-Journey?
Die klassische DX-Praxis hat sich am Bild einer durchgehenden, optimierbaren User-Journey orientiert. Vom Erstkontakt über die Recherche bis zum Abschluss sollte die Reise möglichst stringent verlaufen, mit klaren Touchpoints und nachvollziehbaren Übergängen. In einer Welt, in der persönliche Einkaufsassistenten, LLM-basierte Suche und Empfehlungssysteme eigene Vorauswahlen treffen, kommen viele Kunden gar nicht mehr durch eine vollständige Journey. Sie tauchen an einem späten Touchpoint mit fertiger Vorentscheidung auf, oder gar nicht. Die Frage ist also nicht, ob wir die Journey weiter optimieren, sondern ob wir den Journey-Fokus ergänzen müssen: um Sichtbarkeit in agentischen Vorauswahlprozessen, um Auslesbarkeit für KI-Systeme, um die Fähigkeit, in einem fremden Kontext überhaupt aufzutauchen.
Im Vormittagsblock der Konferenz ordnen wir diese Verschiebung gemeinsam ein. Jasmin Seitel (Managing Director, diffferent) eröffnet mit dem strategischen Ausblick "Marketing 2030 und worauf wir uns vorbereiten müssen". Jörg Atai-Nölke (Principal Consultant, Unic) bringt die B2B-Commerce-Perspektive ein und erläutert, warum Datenstrategie der Datenbasis für Agentic Commerce vorausgehen muss. Im abschließenden Panel "Von Marketing Automation zu Marketing Intelligence" diskutieren wir u.a. mit Sebastian Lauk (Director Marketing, Emporix) und Gunter Schumann (Senior Product Marketing Manager, Optimizely), was KI-Agenten an klassischen Marketing-Automation-Logiken wirklich verändern.
Frage 2: Welches Betriebsmodell brauchen wir organisatorisch und technisch, damit Content & Context optimal zusammenspielen?
Content allein reicht nicht mehr. Damit Inhalte über Website, App, eigene Bots und externe KI-Systeme hinweg wirken, müssen sie um den richtigen Kontext erweitert werden: Metadaten, semantische Strukturen, Variantenlogik, Auslieferungsregeln. Das ist eine technische Anforderung mit Composable-Architekturen, modularen Content-Modellen und durchgängigen APIs. Gleichzeitig ist es eine organisatorische Frage: Wer produziert? Wer pflegt Metadaten? Wer entscheidet über Variante und Kontextregel? Ohne ein klares Betriebsmodell, das beide Seiten zusammenführt, bleibt das Zusammenspiel von Content und Context Stückwerk. Was sich hier strukturell verändert, haben wir am Beispiel Composable DXP ausgeführt.
Im mittleren Block der Konferenz widmen wir uns genau diesem operativen Fundament. Wiebke Wefer (Business Unit Director, Triplesense Reply) zeigt, wie der Weg von Composable Content zur orchestrierten Content Experience aussieht. Ein Praxis-Test zu "Gefunden werden, wenn KI entscheidet" beleuchtet das junge Feld GEO (Generative Engine Optimization) und seine Auswirkungen auf die Content-Strategie. Franziska Kunz (Digital Business Analyst, dotSource) ergänzt mit dem Argument, dass AI-Visibility kein SEO-Update ist, sondern ein Team-Update mit neuen Rollen, neuen Prozessen, neuen Verantwortlichkeiten. Im Panel "Content Operations als Enabler" tauschen wir uns wieder ergänzend mit Hagen Seidel (Triplesense Reply) und Saim Rolf Alkan (AX Semantics) aus und nehmen die Brücke zwischen Content-Produktion und KI-gestützter Ausspielung in den Fokus.
Frage 3: Wie schaffen wir Bindung, wenn neue Experience-"Mittlersysteme" dazwischenstehen?
Persönliche Einkaufsassistenten, Plattformen und Aggregatoren übernehmen einen wachsenden Teil der Vorauswahl. Sie filtern, vergleichen und empfehlen, bevor ein Kunde unsere Seite überhaupt öffnet. Damit treten sie als neue Experience-"Mittlersysteme" zwischen Marke und Kunde und stellen die Bindungsfrage neu. Wie kommen wir in den direkten Kontakt zurück, wenn die Erstinteraktion fremdvermittelt ist? Was lässt jemanden zurückkommen, statt bei der Vermittlungsschicht zu verbleiben? Engagement bekommt damit eine neue, strategische Rolle. Es wird zur Antwort auf das Risiko, in der Vermittlung zu verschwinden. Wie kleinste Interaktionen am Touchpoint diese Bindung tragen können, beschreibt unser Beitrag "Was sind Micro-Interactions".
Im Nachmittagsblock widmen wir uns der Bindungsfrage in der vermittelten Kundenbeziehung. Roman Rackwitz (Behavioral Systems Architect, Engaginglab) eröffnet mit "Engagement Design für das digitale KI-Zeitalter" und bringt eine verhaltenswissenschaftlich fundierte Perspektive auf die Frage, was Menschen in einer agentenvermittelten Umgebung wirklich an eine Marke bindet. Im abschließenden Panel "Engagement im Agent-Zeitalter: Wie Marken den Draht zum Kunden halten" diskutieren wir gemeinsam mit Praktikern aus unterschiedlichen Branchen, welche Engagement-Konzepte heute tragen und welche durch agentische Vermittlung an Wirkung verlieren. Den Abschluss bildet eine offene Townhall, in der die Diskussionen des Tages in konkrete Handlungsperspektiven überführt werden.
Fazit: Drei Frage und ein Tag mit (hoffentlich) vielen Antworten
Die drei Fragen markieren Veränderungslinien, die wir aktuell nicht mehr ausklammern können. Sie greifen ineinander: Wer User-Journeys ergänzt, braucht ein Betriebsmodell, das Content und Context zusammenführt. Wer Bindung in einer vermittelten Welt sucht, kommt nicht ohne den Blick auf Sichtbarkeit und Anschlussfähigkeit aus. Mit der Digital Marketing & Experience Konferenz am 20. Mai 2026 schaffen wir einen kompakten Rahmen, in dem wir über Antworten sprechen und klären wollen, worauf wir uns 2026 wirklich einstellen müssen.
Die Digital Marketing & Experience Konferenz findet am 20. Mai 2026 als reines Online-Format statt. Unsere interaktive Formate wie Q&As und die abschließende Townhall ermöglichen direkten Austausch zwischen Teilnehmenden, Vortragenden und Lösungsanbietern. Im Anschluss sind alle Sessions on-demand verfügbar, sodass Inhalte auch aus zwei Perspektiven oder im Team nachgearbeitet werden können.
Mehr Informationen und eine Anmeldemöglichkeit zur kostenlosen Live-Teilnahme findet Ihr auf der Konferenzseite.
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