Digitale Agenten und objektivierte Customer Journeys verschieben die Anforderungen an Kundenbindung und Differenzierung grundlegend. Roman Rackwitz analysiert, wie sich die Mechanismen der Gamification und der Behavioral Economics im Kontext automatisierter Auswahlprozesse verändern. Im Zentrum steht die Frage, wie Unternehmen emotionale Bindung und Engagement aufbauen, wenn klassische Programme auf transaktionalen Belohnungen zunehmend an Wirkung verlieren. Die Perspektive richtet sich auf die Herausforderung, emotionale Präferenzen und Identität als Differenzierungsfaktoren zu etablieren, bevor digitale Agenten die Auswahl objektivieren.
Im Vortrag erläutert Rackwitz das Konzept des „Zero Moment of Agency“: Der entscheidende Moment, bevor ein digitaler Agent die Auswahl übernimmt, ist der einzige verbleibende Hebel für Markenbindung. Unternehmen müssen emotionale Trigger wie Identität, Status und Kompetenz gezielt in die Customer Journey integrieren, um Austauschbarkeit zu vermeiden. Rackwitz kritisiert die Reduktion von Loyalty-Programmen auf kurzfristige Anreize und empfiehlt, Produkte und Services so zu gestalten, dass sie Teil der Alltagsroutinen und der persönlichen Entwicklung der Nutzer werden. Praxisbeispiele, etwa aus dem Software- und Weinhandel, verdeutlichen, wie Gewohnheiten und dokumentierte Fortschritte die Wechselbereitschaft reduzieren. Die Argumentation schließt mit der Prognose, dass emotionale Bindung als Differenzierungsmerkmal an Bedeutung gewinnt, je stärker digitale Agenten objektive Auswahlprozesse dominieren.