Erfolgsfaktoren für das Management der Digital Content & Commerce Experience

Erfolgsfaktoren für das Management der Digital Content & Commerce Experience
Mitschnitt-Länge: 40 Minuten
Mitschrift verfügbar

Datenbasierte Geschäftsmodelle, hybride Customer Journeys und die Integration von Profitabilität und Nachhaltigkeit im DACH-Vergleich.

Führungskräfte und Expert:innen aus Handel, Technologie und Beratung diskutieren im Panel die Herausforderungen und Chancen datenbasierter Geschäftsmodelle sowie hybrider Customer Journeys im DACH-Raum. Im Mittelpunkt steht der internationale Vergleich: Während Skandinavien und andere Märkte bei der Umsetzung innovativer, kundenorientierter Commerce-Ansätze vorausgehen, bleibt der DACH-Raum zurück. Die Diskussion beleuchtet, wie lange Vertragslaufzeiten, hohe Einstiegshürden und komplexe Angebotsstrukturen schnelle Innovationen hemmen. Gleichzeitig wird die Notwendigkeit betont, Profitabilität und Nachhaltigkeit nicht als Gegensätze, sondern als integrierte Bestandteile neuer Geschäftsmodelle zu betrachten. Die Panelist:innen bringen unterschiedliche Perspektiven aus Praxis, Forschung und Beratung ein und adressieren die spezifischen Anforderungen von Handelsunternehmen mit 200 bis 2.000 Mitarbeitenden sowie Digitalstrategien im B2B- und B2C-Retail.

Im Austausch werden zentrale Erfolgsfaktoren für die Transformation herausgearbeitet: Erstens, die schnelle, experimentelle Umsetzung neuer Ansätze mit niedrigen Budgets und iterativen Tests, um Innovationszyklen zu verkürzen. Zweitens, die konsequente Integration von Profitabilität und Nachhaltigkeit in die Geschäftsmodelle, wobei Nachhaltigkeit als Wirtschaftsfaktor und nicht als emotionales Add-on verstanden wird. Drittens, die Entwicklung einer ganzheitlichen, kanalübergreifenden Customer Experience, die durch die enge Zusammenarbeit von Marketing, HR und IT getragen wird. Das Panel diskutiert konkrete Modelle wie die Erweiterung der klassischen „4 Ps“ des Marketings, die Bedeutung von Pay-per-Use-Modellen im B2B und die Rolle eines europäischen datenbasierten Ökosystems. Die Teilnehmenden sehen im DACH-Raum Nachholbedarf, aber auch die Chance, durch die Verbindung von industriellem Kern und datengetriebenen Ansätzen einen eigenständigen Weg zu gehen.

Profitabilität ist das Wichtigste, was das Unternehmen machen muss. Nachhaltigkeit ist schön, aber Nachhaltigkeit zahlt auch keine Rechnung. – Ralf Haberich

Wir haben die Chance, einen europäischen Datenraum aufzubauen, der mit europäischen Datenwerten hinterlegt ist und eigene Geschäftsmodelle ermöglicht. – Prof. Dr. Hans H. Jung

Viele Unternehmen in der DACH-Region sind noch stark produktgeprägt – der Wandel hin zu echter Kundenorientierung dauert, weil er nicht in der DNA verankert ist. – Saim Rolf Alkan

  • Der DACH-Raum hinkt bei der Umsetzung innovativer, kundenorientierter Commerce-Modelle im internationalen Vergleich hinterher, wobei Corona als Digitalisierungsbeschleuniger gewirkt hat.

  • Hybride Customer Journeys und die kanalübergreifende Ansprache sind essenziell, da Kunden sich nicht mehr auf einzelne Kanäle beschränken und eine konsistente Erfahrung erwarten.
  • Profitabilität bleibt das zentrale Kriterium für die Einführung neuer Commerce-Lösungen, weshalb Einstiegsbarrieren und Risiken für Unternehmen so niedrig wie möglich gehalten werden müssen.
  • Nachhaltigkeit ist ein Wirtschaftsfaktor und muss in Commerce-Modelle integriert werden, darf aber nicht rein emotional, sondern muss in wirtschaftlicher Sprache adressiert werden.
  • Schnelle, experimentelle Umsetzung und das Testen neuer Ansätze mit niedrigen Budgets sind entscheidend, um Innovation und Kundenbegeisterung im Commerce zu fördern.

Die Diskussion um die Erfolgsfaktoren für Digital Content und Commerce Experience legt einen zentralen Zielkonflikt im DACH-Raum offen: Unternehmen stehen zwischen dem Anspruch, innovative, datenbasierte Geschäftsmodelle und hybride Customer Journeys zu realisieren, und der Realität hoher Veränderungsbarrieren in bestehenden Strukturen. Die Panelisten entlarven dabei einen verbreiteten Denkfehler: Die Annahme, dass Digitalisierung und Customer Focus sich durch punktuelle Maßnahmen oder technologische Einzelinitiativen schnell etablieren lassen. Tatsächlich wirken starre Budgetlogiken, kurzfristige Rentabilitätserwartungen und komplexe Entscheidungsprozesse als systemische Blockaden. Hinzu kommt eine Verantwortungsverschiebung zwischen Anbietern und Anwendern, die schnelle, experimentelle Umsetzungen verhindert. Die Diskussion macht deutlich, dass die Transformation nicht an fehlender Technologie, sondern an kulturellen und strukturellen Widersprüchen scheitert – etwa an der mangelnden Integration von Marketing, HR und IT oder an der fehlenden strategischen Verankerung von Nachhaltigkeit als Wirtschaftsfaktor.

Für die operative und strategische Praxis liefert der Beitrag klare Reflexionsimpulse: Erstens fordert er dazu auf, Innovationszyklen radikal zu verkürzen und Experimente mit niedrigen Budgets zu ermöglichen, um die Umsetzungsgeschwindigkeit zu erhöhen und Risiken zu minimieren. Zweitens verschiebt er die Perspektive auf Nachhaltigkeit – weg von einer rein emotionalen Argumentation hin zu einem integralen Bestandteil wirtschaftlicher Zielsysteme. Drittens betont er die Notwendigkeit, Customer Experience als ganzheitlichen, kanalübergreifenden Prozess zu begreifen, der nur durch die enge Verzahnung von Marketing, HR und Technologie erfolgreich gestaltet werden kann. Damit liefert der Beitrag einen Beitrag zur Weiterentwicklung des Themas, indem er die Zielgruppe auffordert, bestehende Verantwortlichkeiten und Zielsysteme kritisch zu hinterfragen und die Transformation als kontinuierlichen, organisationsweiten Lernprozess zu begreifen.

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