KI im B2B-Commerce: Erst Datenstrategie, dann Agentic Commerce

KI im B2B-Commerce: Erst Datenstrategie, dann Agentic Commerce
Mitschnitt-Länge: 40 Minuten
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Agentische Systeme im B2B erfordern belastbare Datenstrategien: Sechs Datendomänen als Fundament für Automatisierung und Governance.

Im Zentrum steht die datengetriebene Transformation von Einkaufs- und Kundenprozessen im B2B-Umfeld, adressiert aus der Perspektive von IT-Architektur und Unternehmenspraxis. Der Beitrag analysiert, wie agentische Beschaffungs- und Vertriebssysteme in Industrieunternehmen entstehen und welche Anforderungen an Datenqualität, Governance und Entscheidungslogik dabei zu berücksichtigen sind. Die Besonderheit liegt in der konsequenten Trennung zwischen technischer Machbarkeit und der Notwendigkeit einer tragfähigen Datenstrategie als Fundament für Automatisierung und Delegation von Entscheidungen an Agenten. Die Diskussion hebt die Unterschiede zwischen B2B- und B2C-Kontexten hervor, insbesondere im Hinblick auf komplexe Entscheidungsstrukturen und die explizite Modellierung von Kontextinformationen.

Im inhaltlichen Fokus stehen sechs zentrale Datendomänen, die als Voraussetzung für agentische Systeme definiert werden: Produktdaten, Preise und Verfügbarkeiten, Kundenpräferenzen und Kontextdaten, Identitäts- und Berechtigungsdaten, semantische und ontologische Daten sowie Transaktions- und Feedbackdaten. Die Argumentation zeigt, dass Automatisierung ohne belastbare Datenbasis Risiken birgt und Fehler in agentischen Systemen exponentiell skalieren. Die Rolle des Menschen verschiebt sich von operativer Interaktion hin zu Governance und Kontrolle, während Vertrauen und Markenbindung zunehmend auf Datenqualität und auditierbare Entscheidungslogiken basieren. Für die technische Architektur empfiehlt der Beitrag eine Trennung von Human Frontend und Agentic API Frontend, den Einsatz von Sicherheitszonen, Principle Resolution Layer und Human-in-the-Loop-Mechanismen. Abschließend wird deutlich, dass Unternehmen Daten als Produktbestandteil strategisch verankern und die Delegation von Entscheidungen an Agenten aktiv gestalten müssen, um Wettbewerbsvorteile im internationalen Kontext zu sichern.

Agentic Commerce ist kein Technologiethema, sondern ein Datenstrategiethema – wer ohne saubere Datenbasis automatisiert, skaliert nur alte Fehler. – Jörg Atay-Noelke

Digitale Plattformen werden künftig weniger für Menschen gebaut, sondern für Agenten – weniger UX, mehr API-Architektur und maschinenlesbare Prozesse. – Jörg Atay-Noelke

Im B2B verschiebt sich Vertrauen weg vom persönlichen Kontakt hin zu Datenqualität, Governance und auditierbaren Entscheidungslogiken. – Jörg Atay-Noelke

  • Agentic Procurement ist primär ein Datenstrategie- und kein reines Technologiethema.

  • Die Qualität und Struktur der zugrundeliegenden Daten entscheidet über den Erfolg von Agentic Procurement Systemen.
  • Automatisierung und Delegation von Entscheidungen an Agenten erfordern klare Governance, Wertströme und Entscheidungslogiken.
  • Schlechte oder inkonsistente Daten werden im Agentic Procurement nicht mehr durch Menschen kompensiert, sondern führen zu exponentiell skalierenden Fehlern.
  • Vertrauen und Markenbindung verschieben sich im Agentic Procurement von menschlichen Beziehungen hin zu Datenqualität, Prozess-Governance und auditierbaren Entscheidungslogiken.

Die datengetriebene Transformation im B2B-Commerce verschiebt die Verantwortung für Wertschöpfung und Risikosteuerung fundamental: Nicht mehr Menschen kompensieren Schwächen in Prozessen und Daten, sondern agentische Systeme operationalisieren diese Schwächen unmittelbar und in großem Maßstab. Damit wird ein blinder Fleck vieler Digitalisierungsinitiativen sichtbar: Die Annahme, dass technologische Automatisierung bestehende Probleme löst, ohne die zugrundeliegende Datenstrategie und Governance zu adressieren. Im Zentrum steht ein Paradigmenwechsel von der Prozessoptimierung zur bewussten Delegation von Entscheidungen an Systeme, deren Handlungsfähigkeit ausschließlich durch Datenqualität, semantische Konsistenz und explizite Entscheidungslogiken bestimmt wird. Die kulturelle Herausforderung liegt darin, dass Vertrauen, Kontrolle und Markenbindung sich von persönlichen Beziehungen hin zu auditierbaren, datenbasierten Strukturen verschieben. Führungskräfte stehen vor der Aufgabe, nicht nur technische, sondern vor allem strukturelle und organisationale Voraussetzungen für agentische Systeme zu schaffen – und dabei Zielkonflikte zwischen Effizienz, Compliance und Kontrollverlust auszubalancieren.

Aus dem Beitrag lassen sich zentrale Prinzipien für die operative und strategische Weiterentwicklung ableiten: Daten müssen als eigenständiges Produkt und als Grundlage für alle agentischen Prozesse verstanden und gestaltet werden. Die Einführung von KI- und Agentensystemen erfordert eine explizite Modellierung von Rollen, Entscheidungslogiken und Governance-Strukturen, die über klassische Automatisierung weit hinausgeht. Unternehmen sind gefordert, ihre Applikationslandschaften und Datenflüsse so zu gestalten, dass sie auditierbar, sicher und adaptiv bleiben – und dabei die Schnittstellen zwischen menschlicher und maschineller Entscheidung klar definieren. Der Beitrag fordert dazu auf, die Transformation nicht als rein technisches Projekt zu begreifen, sondern als strategische und kulturelle Neuausrichtung, bei der Datenqualität, Governance und die bewusste Steuerung von Verantwortlichkeiten zum zentralen Wettbewerbsfaktor werden. Damit verschiebt sich der Fokus von kurzfristiger Prozessautomatisierung hin zu nachhaltiger, datenbasierter Wertschöpfung und einer neuen Form von Vertrauenskultur im B2B.

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